Wohin treibt die Europäische Union?

Von Joachim Hirsch

Dass die Krise der EU trotz diverser Rettungsversuche andauert, ist nicht zuletzt bei den Vorgängen um die Bestellung der neuen Kommissionsvorsitzenden deutlich geworden. Ihre knappe Mehrheit im Parlament verdankt sie Stimmen aus Ländern, gegen die gleichzeitig Verfahren wegen Rechtstaatsverletzungen und Demokratieabbau laufen. Die Euro-Krise schwelt immer noch.

Der 21. August 1968 als Geschichtszeichen*

von Rudolf Walther

Bezieht man den Begriff „Geschichtszeichen“ nicht auf die Französische Revolution, sondern auf den 21. August 1968, konstruiert man ein Paradoxon, denn Kant meinte mit dem Wort – alles in allem genommen – „eine Tendenz des menschlichen Geschlechts im Ganzen“ oder eine politisch-moralische Errungenschaft, wenn man denn das Wort „Sieg“ vermeiden möchte. Andererseits war der 21. August 1968 in Prag eine Niederlage und eine Katastrophe. Aus meiner Perspektive lässt sich das Paradox auflösen – biographisch und historisch-politisch.

Österreich nach der Wahl und von außen betrachtet: Bananenrepublik mit Operettenstaat?

von Reinhard Kreissl

Zeitdiagnosen mit dem Anspruch Besonderheiten der aktuellen Lage zu erfassen erliegen leicht der Verlockung historisch blinder und global generalisierender Urteile. Sie hypostasieren Zeitenwenden, vermelden gar heraufdämmernde neue Epochen oder verweisen auf sich akut verstärkende, in aller Regel negative Entwicklungen in den zur zeitdiagnostischen Beobachtung anstehenden Gesellschaften.

Auf dem Weg in die postmoderne Stadt? Das Beispiel Vancouver

von Holm-Detlev Köhler

Vancouver ist im Ranking der Immobilienpreise die viertteuerste Stadt der Welt, direkt nach den Ausnahme-Stadtstaaten Hongkong und Singapur, sowie Shanghai, deutlich vor anderen nordamerikanischen (Los Angeles, New York) und europäischen (London, Paris) Metropolen. Bei den Durchschnittseinkommen dagegen liegt Vancouver in Nordamerika ungefähr an fünfzigster Stelle, da die meiste Beschäftigung hier im Baugewerbe, Hotel- und Gaststätten, Hafen und Handel mit eher bescheidenen Löhnen konzentriert ist, wozu sich etwas besser bezahlte öffentliche Dienstleistungen (Erziehung, Gesundheit) gesellen.

Ludwig Erhard war nicht der Vater der Sozialen Marktwirtschaft, aber vielleicht die Streikbewegung deren Mutter

von Rudolf Walther

Um die Fragen: „Wann wurde die soziale Marktwirtschaft eingeführt?“ und „Wer hat sie erfunden?“ ranken sich seit 70 Jahren jede Menge Legenden und Mythen. Die plumpste stammt von ihren vermeintlichen Ahnherrn und Erfinder. Schon im Wahlkampf 1957 bezeichnete sich nämlich Ludwig Erhard als „Initiator der sozialen Marktwirtschaft“. Nichts ist verfehlter als das, auch wenn Propagandafirmen wie die „Initiative Soziale Marktwirtschaft“ das bis heute bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in ganzseitigen Anzeigen der großen Tageszeitungen plakatieren.