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Aktuelles

 

Rudolf Walther: Band 4 erschienen

Aufgreifen, begreifen, angreifen. Historische Essays, Porträts, politische Kommentare, Verrisse

Auch der vierte Band mit Essays, Porträts und Kommentaren unseres Mitarbeiters Rudolf Walther erschien eben unter dem Titel „Aufgreifen, begreifen, angreifen“ im Oktober-Verlag in Münster. Der Band enthält im Unterschied zu den vorangegangenen Bänden auch Texte, die nicht für Zeitungen oder Zeitschriften, sondern als Beiträge für Sammelbände und Ausstellungskataloge publiziert wurden. Und wiederum versammelt das Buch muntere Verrisse mediokrer Bücher, denen der Medienbetrieb trotz fehlender Qualität viel Beachtung schenkte.
Das Kriterium für die Auswahl war die Haltbarkeit der Texte über den Tag hinaus und deren Verständlichkeit ohne erklärende Fußnoten. Der älteste Artikel stammt aus dem Jahr 1994, der jüngste aus dem Juli 2014. Die Beiträge erscheinen unverändert und kommentarlos – mit zwei Ausnahmen, denen aus aktuellem Anlass ein datiertes Postskriptum angehängt wurde. Neben zwei Essays zu Terror und Terrorismus in historischer Perspektive enthält der Band Porträts von Pierre Bourdieu, Carl Schmitt, Niklas Luhmann und Henry Dunant sowie Kommentare zu politischen Debatten über Antisemitismus, Neoliberalismus, Laizismus und allerlei Windmacher im politischen Handgemenge.

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Januar 2015

Pegida – oder was es mit der „Mitte der Gesellschaft“ so auf sich hat

Joachim Hirsch

Der Name klingt wie ein Automodell von Opel und scheint ebenso eingängig. Was sich dahinter verbirgt ist allerdings weniger harmlos. Es sind die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, womit gleich zwei rechte Stichworte aufscheinen: „Islamisierung“ und „Abendland“. ... weiterlesen 

Diskussion des Konzepts der Sozialen Infrastruktur

Werner Rätz

Die Frankfurter Gruppe links-netz hat vor einiger Zeit ihren Text „Sozialpolitik als Bereitstellung einer sozialen Infrastruktur“ in einer überarbeiteten Fassung veröffentlicht. Diese zeichnet sich durch einige neue Aspekte und Konkretisierungen aus, hält aber am Kern des erstmals 2003 vorgelegten Vorschlags fest. Dabei geht es darum, dass Sozialpolitik all die Voraussetzungen zur Verfügung stellen soll, die erforderlich sind, damit die gesellschaftlich notwendigen und nützlichen Tätigkeiten getan werden können. Das gelingt nur auf der Basis eines Arbeitsbegriffs, der sich von der kapitalistischen Erwerbsarbeit radikal verabschiedet. ... weiterlesen 

Dezember 2014

Baumwolle zu Panzer? Anmerkungen zur Kriegsberichterstattung

Rudolf Walther

Gabor Steingart, früher beim „Spiegel“, jetzt Chefredakteur des „Handelsblattes“ – zwei nicht gerade linke Adressen – meinte jüngst, in der Berichterstattung über die Ukraine, Russland, Syrien, Irak, IS, Hamas, Gaza und Israel sei das Meinungsspektrum in den Medien auf „Schießschartengröße“ geschrumpft. Und Fritz Pleitgen, der ehemalige Intendant des WDR, bescheinigte der EU, sie habe die „Ukraine-Verhandlungen betrieben, als handle es sich um einen Staat wie Island“ (Die Gazette Nr. 43, 2014). Die Satiriker Max Uthoff und Claus von Wagner sagten in der Sendung „Die Anstalt“, die Beiträge von namentlich erwähnten Leitartiklern läsen sich wie Verlautbarungen der „NATO-Pressestelle“. Zwei dieser Leitartikler und Helden der Meinungsfreiheit – Josef Joffe und Jochen Bittner (beide DIE ZEIT) – haben juristisch gegen die Satiresendung geklagt und in erster Instanz glatt verloren. Die beiden legten jedoch Berufung ein und werden wohl demnächst auch gegen das Wetter klagen. ... weiterlesen 

Ökonomisierung des Gesundheitswesens

Rezension zu Manzei/Schmiede: 20 Jahre Wettbewerb im Gesundheitswesen

Joachim Hirsch

Während die neoliberalen Versprechungen bezüglich der wohltuenden Wirkungen von Markt- und Konkurrenzregulierung inzwischen in vielen gesellschaftlichen Bereichen in Frage gestellt werden, bestimmt das Ökonomisierungsparadigma immer noch weitgehend ungebrochen und nicht nur hierzulande die Gesundheitspolitik. Der von Alexandra Manzei und Rudi Schmiede herausgegebene Sammelband „20 Jahre Wettbewerb im Gesundheitswesen“ beschäftigt sich mit den Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen dieser Entwicklung. Die inzwischen zentral auf der gesundheitspolitischen Agenda stehende Einführung marktökonomischer Steuerungsverfahren soll bewirken, dass das Gesundheitswesen sowohl qualitativ besser als auch wirtschaftlicher wird. Dies führt allerdings dazu, dass medizinische und pflegerische Wertorientierungen, Handlungsmaximen und Entscheidungskriterien immer stärker durch betriebswirtschaftliche Kalküle überlagert und ursprünglich nicht betriebswirtschaftlich organisierte Handlungsfelder dadurch „kolonisiert“ werden. ... weiterlesen 

Psychische Erkrankungen im neoliberalen Kapitalismus

Akute Krise psychischer Gesundheit oder strukturelle Krise des Subjekts?

Norma Tiedemann

Seit dem Platzen der US-Immobilienblase 2007 weitete sich das Ereignis Krise in stets umfassenderen Wellen aus. Kurz nachdem die Öffentlichkeit der Subprime-Misere gewahr wurde, sprach man schon von Finanz-, Banken-, Wirtschafts-, Staatsschulden-, Eurokrise. Der Krisendiskurs begann schließlich auch eine Souveränitätskrise, eine Demokratiekrise und eine Krise der Geschlechterverhältnisse zu umfassen – oftmals als „Vielfach-“ oder „multiple Krise“ betitelt, um den inneren Zusammenhang der einzelnen Elemente herauszustellen (Brand 2009, Demirović et al. 2011, Demirović 2013). Diese Vielfachkrise betrifft zunehmend den Alltag von Menschen. Durch veröffentlichte Studien zu den Auswirkungen der Krise und des Krisenmanagements auf die Gesundheit der Menschen vor allem in Griechenland, Portugal, Spanien, aber auch in Irland, dem Vereinigten Königreich, Österreich und den USA begannen Medien, Gesundheitspolitiker*innen, Ärzt*innen und internationale Organisationen die „menschlichen Kosten” (Europäisches Parlament 2012) der Rezession zu beklagen. Aufsehen erregende Meldungen über die Zunahme von Depressionen, Suiziden, Angststörungen, Schlafstörungen und Alkoholsucht reißen bis heute nicht ab. ... weiterlesen 

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